Quantcast
Channel: Open Source PR » Qualifikation
Viewing all articles
Browse latest Browse all 6

Vom Wollen und Können des PR-Nachwuchses

$
0
0

Ich durfte auf Einladung von Timo Lommatzsch und der DPRG Junioren Niedersachsen heute abend bei der FH Hannover mit anderen PR-Profis aus Unternehmen und Agenturen eine Paneldiskussion mitgestalten. Das Thema: “Perspektive PR: Vom richtigen Einstieg bis zur Praxis im Job“.

Die Mitdiskutanten waren sich vernehmbar einig darüber, dass der PR-Beruf viel persönlichen Einsatz, Leidenschaft und Begeisterung erfordert, will man ihn gut machen. Nach dem “Brennen in den Augen” der Bewerber suchen alle Panelisten, ob aus Unternehmen oder Kommunkationsberatungen. Meine These (basierend auf meiner Recruitingerfahrung) war:

Die eine Hälfte der Bewerber um eine Einstiegsposition in einer Agentur hat keine Ahnung, was sie in der Praxis erwartet – und zwar trotz Praktika. Die andere Hälfte weiß vielleicht was kommen wird, meint aber, sie hätte mit der Einladung zum Bewerbungsgespräch den Job schon so gut wie in der Tasche und nimmt es mit einer lässig-lockeren Arroganz als notwendig hin. Beides ist eher suboptimal.

Leider konnte ich aufgrund des langen Heimwegs nach Frankfurt nicht die ganze Frage/Antwort-Runde im Anschluss an das moderierte Panel verfolgen, aber was dort anklang, war die fast bange vorgetragene Frage: “Soll ich nach meinem Bachelor im Sommer lieber noch nen Master dranhängen, oder besser gleich eine Traineestelle/Volontariat anstreben.”

Ich weiß zu wenig um die Feinheiten oder Unterschiede zwischen B.A. und M.A. nach dem neuen Studiensystem, als dass ich das fachlich beantworten könnte. Ich neige aber zur Antwort: “Mir doch egal.” Und zwar aus folgendem Grund:

Für einen Einsteiger in die PR ist ein Studienabschluss heute meines Erachtens Pflicht, da er ein Mindestmaß an Durchhaltevermögen und Fähigkeit zum strukturierten Lernen und zur Analyse nachweist. Das war’s aber auch schon. B.A. oder Master ist da eher zweitrangig. Denn die PR-Praxis ist wie so oft nur 10% Inspiration, aber mindestens 30% Erfahrung und Know-how, aber ganz sicher zum überwiegenden Teil Transpiration, nämlich harte Arbeit mit einem Handwerk, das man im Studium nicht lernt. Auch nicht im expliziten PR-Studium.

Viel wichtiger als das formelle Können der Absolventen, das sie auf einem Zeugnis vorzeigen können, ist für mich das Wollen. Der im Bewerbungsprozess glaubhaft gemachte Wille, diesen Beruf zu erlernen und daran nachhaltig zu arbeiten. Ich erwarte von einem Bewerber deshalb ein gutes Maß an Klarheit darüber, was er sich vom PR-Beruf erhofft und was er einzubringen bereit ist. Und wenn er dann noch belegen kann, dass er für den Wandel unseres Handwerks gut gerüstet ist, weil er das Thema Internet nicht nur theoretisch sondern auch praktisch durchdrungen hat, ist er oder sie ein interessanter Kandidat.

Zum Stichwort Können noch ein interessanter Link (via Markus). Adam Singer skizziert hier zehn Fertigkeiten, die ein künftiger PR-Profi beherrschen sollte. Insbesondere bei den Punkten 4) “Understanding of what defines successful content” und 5) “Proven ability to build a successul blog” bin ich ganz bei ihm. Die anderen Skills sind eher technischer Natur und ich würde sie nicht so absolut sehen, aber für ein umfassendes Verständnis für die Zusammenhänge und Wirkungsweisen des Social Web sind auch sie nicht zu vernachlässigen.

PS: Wenn du PR-/Journalismus-Studierender der FH Hannover (oder einer anderen Hochschule) bist, freue ich mich über dein Interesse und wäre noch viel erfreuter, wenn du eventuelle Anschlussfragen an die Podiumsdiskussion hier stellen würdest. Ich bin so neugierig, was dich bewegt!


Viewing all articles
Browse latest Browse all 6